Die 4 Phasen der Wechseljahre: Prämenopause, Perimenopause, Menopause, Postmenopause

von Gudrun Henle

Die vier Phasen der Wechseljahre – wo stehst du gerade?

Ein Wegweiser durch eine Lebensphase, die länger dauert, als die meisten Frauen denken.

Im ersten Beitrag dieser Serie haben wir geklärt, was die Wechseljahre eigentlich sind: ein natürlicher hormoneller Übergang, der je nach Frau wenige Jahre oder bis zu zwei Jahrzehnte dauern kann. Heute möchte ich dir helfen, dich in dieser Zeit besser zu orientieren.

Denn wenn du weißt, in welcher Phase du gerade bist, verstehst du auch besser, warum dein Körper sich gerade so verhält. Vieles wird dann nachvollziehbar. Manches sogar erwartbar.

Und vielleicht das Wichtigste: Du hörst auf, dich zu fragen, ob mit dir etwas nicht stimmt. Weil du weißt, dass es einen Namen hat, was du gerade erlebst.

Die vier Phasen im Überblick

Bevor wir in die Details gehen, hier eine Tabelle, die dir hilft, die Phasen auf einen Blick zu erfassen. Sie zeigt das typische Bild – dein persönlicher Verlauf kann (und wird wahrscheinlich) abweichen.

Phase

Typisches Alter

Was hormonell passiert

Mögliche Anzeichen

Prämenopause

ca. 35–45 Jahre

Progesteron sinkt zuerst, Östrogen oft noch stabil

Zyklusveränderungen, PMS verstärkt, Brustspannen, Stimmungsschwankungen

Perimenopause

ca. 45–52 Jahre

Hormone schwanken stark, Östrogen sinkt spürbar

Hitzewallungen, Schlafprobleme, Reizbarkeit, Konzentrationsschwierigkeiten

Menopause

Ø 51–52 Jahre

Letzte Regelblutung – rückblickend nach 12 Monaten festgestellt

Ein Zeitpunkt, keine Phase – die Symptome der Perimenopause können anhalten

Postmenopause

ab ca. 52–55 Jahre

Hormone pendeln sich auf niedrigem Niveau ein

Symptome lassen meist nach, neue Themen wie Knochengesundheit rücken in den Fokus

Hinweis: Die Altersangaben sind Durchschnittswerte. Manche Frauen erleben einzelne Phasen deutlich früher oder später. Das ist normal.

Phase 1: Die Prämenopause – die Vorboten-Zeit

Die Prämenopause beginnt häufig schon zwischen 35 und 40 Jahren – und zwar so leise, dass viele Frauen sie zunächst gar nicht als Wechseljahres-Phase wahrnehmen. Was passiert hier?

Deine Eierstöcke beginnen, langsamer zu arbeiten. Insbesondere Progesteron – dein natürliches „Ruhe-Hormon“ – sinkt als Erstes ab. Östrogen bleibt zunächst noch relativ stabil, schwankt aber bereits gelegentlich. Das führt zu einem Phänomen, das in der Naturheilkunde gerne als Östrogendominanz bezeichnet wird: nicht weil Östrogen ansteigt, sondern weil das Verhältnis zwischen Östrogen und Progesteron sich verschiebt.

Was du in dieser Phase bemerken könntest: Dein Zyklus wird unregelmäßiger. PMS-Beschwerden werden stärker als früher. Brustspannen, Wassereinlagerungen, Stimmungsschwankungen, leichte Reizbarkeit, Kopfschmerzen – all das kann hier schon auftreten. Viele Frauen denken in dieser Phase: „Ich bin doch noch viel zu jung für Wechseljahre.“ Und ja – für die Menopause bist du das. Für den Beginn der hormonellen Veränderungen aber nicht.

Phase 2: Die Perimenopause – die intensivste Zeit

Wenn dich Frauen fragen: „Wann ist es bei dir richtig losgegangen?“ – dann meinen sie meistens diese Phase. Die Perimenopause beginnt etwa ein bis zwei Jahre vor der letzten Regelblutung und endet ein Jahr danach. Sie kann insgesamt vier bis acht Jahre dauern.

In dieser Phase werden die hormonellen Schwankungen am stärksten. Östrogen sinkt jetzt deutlich, aber nicht gleichmäßig – es schwankt wild auf und ab, bevor es schließlich auf einem niedrigen Niveau ankommt. Und genau diese Schwankungen sind es, die viele typische Symptome verursachen:

Hitzewallungen und Nachtschweiß – weil dein Körper Schwierigkeiten hat, seine Temperatur zu regulieren.

Schlafprobleme – weil Progesteron, das beruhigend wirkt, fehlt und Östrogenschwankungen das Nervensystem aufdrehen.

Stimmungsschwankungen, Reizbarkeit, innere Unruhe – weil Östrogen direkt auf das Glückshormon Serotonin wirkt.

Konzentrationsprobleme und „Brain Fog“ – weil Östrogen auch im Gehirn aktiv ist.

Veränderungen im Gewicht – oft eine Tendenz zu mehr Bauchfett, selbst bei gleichbleibender Ernährung.

Die gute Nachricht: Diese Phase ist meist die intensivste – aber sie geht vorbei. Und es gibt vieles, was du selbst tun kannst, um dich besser zu fühlen.

Phase 3: Die Menopause – ein einzelner Zeitpunkt

Wie wir im ersten Beitrag schon gesehen haben: Die Menopause ist keine Phase, sondern ein einzelner Zeitpunkt – nämlich der deiner allerletzten Regelblutung. Erst wenn 12 Monate lang keine Blutung mehr aufgetreten ist, sagt man rückblickend: „Damals war Ihre Menopause.“

Im deutschsprachigen Raum liegt das Durchschnittsalter zwischen 51 und 52 Jahren. Es kann aber auch früher (vor 45 spricht man von einer frühen Menopause) oder später sein. Wenn du nach der Menopause noch einmal Blutungen hast, sprich auf jeden Fall mit deiner Frauenärztin – das gehört zur regelmäßigen Vorsorge.

Phase 4: Die Postmenopause – die Zeit der neuen Balance

Die Postmenopause beginnt definitionsgemäß ein Jahr nach der letzten Regel und dauert den Rest deines Lebens. Aber bitte versteh das nicht falsch: Es ist keine endlose Beschwerdephase. Im Gegenteil.

In den ersten Jahren der Postmenopause können einige Symptome der Perimenopause noch andauern. Aber dein Körper findet eine neue hormonelle Balance. Die starken Schwankungen sind vorbei. Viele Frauen berichten von einer Ruhe nach dem Sturm – einem Gefühl von Klarheit und innerer Stabilität, das sie so lange nicht mehr kannten.

In dieser Phase verschiebt sich der gesundheitliche Fokus. Mit dem dauerhaft niedrigen Östrogenspiegel wird es wichtiger, gut auf Knochen-, Herz-Kreislauf- und Stoffwechselgesundheit zu achten. Bewegung, kräftigende Ernährung und regelmäßige ärztliche Vorsorge werden wichtiger als je zuvor – nicht weil etwas falsch ist mit dir, sondern weil dein Körper jetzt eine neue Form der Aufmerksamkeit verdient.

Wo stehst du gerade?

Wenn du dich an dieser Stelle fragst: „Ich weiß immer noch nicht so genau, wo ich bin“ – dann ist das völlig in Ordnung. Die Übergänge zwischen den Phasen sind fließend. Eindeutig zuordnen lassen sich Prämenopause und Perimenopause oft erst im Nachhinein.

Wichtig ist: Du musst dich nicht selbst diagnostizieren. Wenn du Symptome hast, die dich belasten, oder einfach das Gefühl, dass dein Körper sich verändert, dann sprich mit deiner Frauenärztin, Heilpraktikerin oder Hormon-Coach. Sie kann dich begleiten und gegebenenfalls Hormonwerte bestimmen.

Was du aber jetzt schon tun kannst: Anfangen, deinen Körper bewusst wahrzunehmen. Wie fühlst du dich morgens? Wie schläfst du? Wie reagiert dein Körper auf Stress, auf Essen, auf Bewegung? Diese Beobachtung ist die Grundlage für alles, was kommt.

Im nächsten Beitrag schauen wir uns die drei wichtigsten weiblichen Hormone an – Östrogen, Progesteron und Testosteron. Ich erkläre dir, was sie machen, wann sie sinken und warum sie so viel mit deinem Wohlbefinden zu tun haben.

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